Ardour

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Hinweis: Lob, Kritik und vor allem Erfahrungswerte mit der hier beschriebenen Installation in diesem Thread mitzuteilen wären dem Autor eine große Hilfe, den Artikel weiter zu verbessern oder ein wenig Bestätigung zu erhalten, dass alles gut ist, so wie es ist.


Ardour ist ein hochprofessionelles Misch-, Aufnahme- und Schneideprogramm (DAW), welches in Zusammenarbeit mit dem Soundserver Jack eines der besten Programme dieser Art ist, das es momentan ausschließlich für Linux, Mac, FreeBSD und Solaris (nicht für Windows) gibt. Der Soundserver Jack muss installiert und vernünftig eingerichtet sein, damit Ardour überhaupt funktioniert. So ist es möglich, jeden unter Jack laufenden Klangerzeuger, Arranger, Tracker o.ä. im Mischpult von Ardour mit anderen Signalen zu mischen, mit Effekten zu belegen oder auch darin auf jeder einzelnen Spur (Track) aufzunehmen. In Ardour selbst werden alle vorgenommenen Änderungen in Echtzeit verarbeitet. Jeden einzelnen Track kann man im Mixer programmieren wie man will.

Ardour unterstützt in der Version 2.x ausschließlich reine Audiospuren. Nutzer, die auch mit MIDI arbeiten möchten, können externe Software (z.B. Rosegarden) mit Ardour via Jack synchronisieren. Diese Funktion wird in Ardour ab Version 3.0 implementiert sein. Will man ein Video mit Ardour nachvertonen geht das sehr gut in Verbindung mit dem Programm xjadeo. Ardour arbeitet mit dem non-destruktiven Verfahren was es ermöglicht jeden Schnitt und jeden Löschvorgang auch nach dem Abspeichern rückgängig machen zu können.


Ardour kann man prinzipiell aus den Quellen für 32- und 64-bit Systeme installieren (Weg 1). Braucht man Ardour mit einer VST-Schnittstelle, so muss man das Programm aus lizenzrechtlichen Gründen selbst kompilieren (Weg 2 & 3) mit der zusätzlichen Einschränkung, dass es ausschließlich für 32-bit Systeme geht. Hinzu kommt, dass VST Ardour instabil machen kann oder dass nicht alle VSTs mit Ardour laufen. Dieses Problem zwischen VST und Linux taucht generell auch bei anderen Audio-Programmen auf.

Eine Lösung kann sein, dass man statt der Ardour-VST-Schnittstelle das Paket dssi-vst nutzt. dssi-vst ist ein adapter, der es der Linux-Audiosoftware prinzipiell erlaubt VST und VSTi audio-Effekte und -Instrumente-Plugins in native LADSPA oder DSSI-Plugins zu laden. Auch hier funktioniert der Adapter leider nicht mit jedem VST-Plugin, das wird man selbst herausfinden müssen. Eine Liste von getesteten VST und LADSPA/LV2-Plugins für Ardour gibt es im Netz.



Inhaltsverzeichnis

Features

Ardour verfügt über folgende Haupt-Features:

  • Mehrkanalaufnahme, -bearbeitung und -mischung
  • Unterstützt die Formate XML, WAV, WAV mit 64-Bit, AIFF, CAF, FLAC und Ogg/Vorbis. MP3 fehlt aus lizenzrechtlichen Gründen.
  • Effekte via LADSPA und LV2 (VST nur bei kompiliertem Ardour & nur 32-bit)
  • Unlimitierte Audio Tracks
  • Nicht-destruktives und nicht-lineares bearbeiten mit unlimitiertem Undo auch nach dem Abspeichern
  • Anything-to-anywhere signal routing
  • Unlimitierte pre- and post-fader plugins
  • 32 bit floating point audio path
  • Automatic track delay compensation
  • Sample accurate automation
  • MIDI CC control mit einem Klick
  • Level 2 MIDI Machine Control
  • MIDI Timecode (MTC) Master oder Slave
  • Video-synced playback, pull up/pull down
  • Arbeitet mit jeder ALSA/FFADO-supported audio hardware
  • Network audio via NetJack
  • Mischen und Effekte werden in Echtzeit verarbeitet
  • Bearbeitung von Videosoundtracks in Zusammenarbeit mit xjadeo

... und einige mehr Neben-Features, die hier den Rahmen sprengen würden.

Zwei Installationswege

Installation aus den Paketquellen

Dieser Weg ist der einfachste Weg und wird für alle empfohlen, die keine VST-Schnittstelle benötigen. Einfach Ardour installieren mittels:

root@debian:~$ apt-get install ardour

Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Der Soundserver Jack wird hier automatisch mit installiert, wenn er noch nicht auf dem System sein sollte.
    • Die Frage nach der Echtzeitpriorität sollte man mit einem Häkchen während der Installation von Jack bejahen.
    • In diesem PDF findet man Tipps für das Einrichten von Jack.
  • Ardour funktioniert nur in Verbindung mit Jack
  • Wer eine einfache Alternative nur zum Schneiden und ein paar Effekten sucht die ohne Jack funktioniert, ist mit dem Programm Audacity gut bedient.
  • Die Pakete sind als 32- und 64-Bit installierbar
  • Ein Ardour aus den Quellen ist äußerst stabil im Gegensatz zum selbst kompilierten Ardour mit VST-Schnittstelle, welche über wine läuft.

Kompilieren mit scons & checkinstall

Hinweis.png Hinweis: Nach dieser Anleitung werden alle möglichen Schnittstellen inklusive VST einkompiliert. Dieser Weg ist nicht nach Debian-Art sondern eher "quick & dirty". Es wird von einem frisch installierten Debian Squeeze 32-bit mit freigeschaltetem non-free-Bereich ausgegangen.

Warnung.png Warnung: Diese Anleitung funktioniert ausschließlich für 32-bit. Ardour stellt keine Möglichkeit bereit die VST-Schnittstelle für ein 64-bit System zu kompilieren. Will man Ardour auf 64-bit nutzen, so sollte man auf das Paket aus den Quellen ausweichen und andere Möglichkeiten suchen, wie man VST in sein Tonstudio einbinden kann (z.B. mit dssi-vst).

Vorbereitungen

Man erstelle sich zunächst ein Verzeichnis, in dem die Sources bearbeitet werden, z.B. ~/tonstudio/src/ardour, wie in allen Tonstudio-Artikeln üblich. Die Tilde ~ steht für das home-Verzeichnis, also z.B. /home/markus/. Dann gehe man mittels

user@debian:~$ cd ~/tonstudio/src/ardour

in jenes Verzeichnis und hole sich mit

user@debian:~$ apt-get source ardour

den Quellcode. Hierfür muss die entsprechende Standardquelle in der sources.list freigeschaltet sein, was normalerweise standardmäßig der Fall ist. Wenn nicht, kann man das nachholen, indem man folgende Zeile in die /etc/apt/sources.list einträgt:

Dann bitte mit einem

root@debian:~$ apt-get update

die Paketlisten aktualisieren.

Damit das Kompilieren und Installieren fehlerfrei durchlaufen kann, müssen vorher die Programme scons, checkinstall, cdbs, der Soundserver Jack und wine für die VST-Schnittstelle installiert werden:

root@debian:~$ apt-get install scons checkinstall cdbs jackd  wine

Die Frage nach der Echtzeitpriorität bei der Installation von Jack sollte man bejahen. Dann muss man eine Menge Entwicklerbibliotheken, die für das Kompilieren notwendig sind, installieren:

root@debian:~$ apt-get install dh-buildinfo intltool libglade2-dev libglademm-2.4-dev libusb-1.0-0-dev libdmalloc-dev libart-2.0-dev libasound2-dev libaudio2 libaudio-dev libcairo2-dev libcairomm-1.0-dev libcurl4-gnutls-dev libfftw3-dev libfontconfig1-dev libfreetype6-dev libglib2.0-dev libgnomecanvasmm-2.6-1c2a libgnomecanvasmm-2.6-dev libgtk2.0-dev liblo7 liblo-dev liblrdf0 liblrdf0-dev libpangomm-1.4-dev libraptor1-dev librasqal2-dev librdf0-dev libsamplerate0 libsamplerate0-dev libslv2-dev libsndfile1-dev libsoundtouch1-dev libstdc++6-4.4-dev libusb-dev libxslt1-dev libvamp-hostsdk3 libvamp-sdk2 libxml2-dev python-all-dev python-twisted python-gtk2-dev libjack-jackd2-dev libtool libboost-all-dev libaubio2 libaubio-dev libwine-dev libwine-jack libwine-alsa vamp-plugin-sdk libcwiid1-dev gawk

Kompilieren

Als nächsten Schritt gehe man in das Verzeichnis ardour-2.8.11. Die Versionsnummer ist hier nur ein Beispiel und muss entsprechend angepasst werden.

user@debian:~$ cd ardour-2.8.11

Nun kompiliere man Ardour einfach mit dem Befehl

user@debian:~$ scons VST=1 SLV2=1 FREESOUND=1 WIIMOTE=1

was eine Weile und viel Textausgaben lang dauert. Die einzelnen Optionen XYZ=1 erzeugen die gleichnamigen Schnittstellen, die dann in Ardour zur Verfügung stehen werden.

Sollte hier wider Erwarten scons die Kompilierung wegen fehlender Pakete abbrechen, so wird eine Fehlermeldung angezeigt. Es wird aufgelistet, welche Pakete noch installiert werden müssen. Dann einfach Pakete installieren und den Vorgang mittels scons wieder von vorne starten.

Installieren

Wenn das alles durchgelaufen ist, kann man Ardour mit einem simplen

root@debian:~$ checkinstall -D scons install

installieren. Da man ein Paket für persönliche Zwecke herstellt und installiert braucht man bei den Fragen, die checkinstall am Anfang stellt, nichts besonderes anzugeben. Der konkrete Ablauf sieht ungefähr so aus:

Should I create a default set of package docs?
   mit "y" beantworten

Bitte geben Sie eine Beschreibung für das Paket ein.
   Hier muss man nichts eingeben, kann man aber

2 - Name [...]
   Ändern in einen anderen Namen, z.B. ardourvst
   danach ein leeres Return

Nun installiert checkinstall mithilfe von scons das selbst kompilierte Paket. Das dauert wieder eine Weile (allerdings einiges kürzer als beim Kompilieren) und wieder gibt´s ne Menge Text.

Den Paketnamen (Punkt 2) sollte man deshalb auf den Namen ardourvst ändern, damit bei einer Systemaktualisierung das selbst hergestellte Ardour nicht von einem Ardour aus den Quellen überschrieben wird. Ardour kann man, nachdem man Jack bzw. dessen Frontend qjackctl gestartet hat, nun im Terminal mit dem Befehl ardourvst starten oder sich auf dem Desktop oder einem Menü einen entsprechenden Eintrag anlegen. Der Name des Befehls hat nichts mit dem Namen des Pakets zu tun. Die Namen decken sich nur der Einfachheit halber. Man sollte kein Ardour aus den Quellen und ein selbst kompiliertes Ardour gleichzeitig verwenden da dies zu Problemen führen kann.

scons ohne checkinstall

Will man Ardour ohne checkinstall installieren, kann man statt dessen auch mittels

root@debian:~$ scons install

installieren, was allerdings komplett an der Paketverwaltung vorbei geht. Quick & doubledirty eben. Ein Deinstallieren geht relativ einfach, indem man einfach

root@debian:~$ scons uninstall

im Ardour-2.8.11-Verzeichnis eingibt.

Links

  • Ähnlicher Artikel der eventuell ein wenig aktueller sein könnte.
  • Ardour - Projektseite. Hier findet man nochmals eine Beschreibung, wie man mittels scons installieren kann. Außerdem hat die Seite ein eigenes Forum, Links zu funktionierenden Plugins und ein paar mehr interessante Informationen.
  • Tutorial - Archiv downloaden, entpacken, ard-jam-tutorial.html öffnen und lernen, wie man mit JAMin in Kombination mit Ardour mastert.
  • Ardour-Tutorial nur für Ardour
  • Kurzbeschreibung von Ardour
  • Wikipedia und Ardour
  • dssi-vst - Adapter von VST zu LADSPA / DSSI


Seite erstellt von: Musix 21:55, 30. Nov. 2011 (CET)

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