Auswahl einer Desktopumgebung

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Einleitung

Ich bin wirklich kein Fan von Diskussionen a la GNOME vs. KDE vs sonstirgendwas, und auch GNOME3-Diskussionen sind mir eigentlich recht egal. Man verliert seinen alten Arbeitsstil und lernt einen neuen (oder versucht zwanghaft den alten Arbeitsstil auf den neuen Desktop zu übertragen). Dabei fangen die meisten erstmal aus verschiedenen Gründen mit irgendeinem Desktop an (wegen oberflächlicher Gründe, wörtlich genommen) und gewöhnen sich dann in ihren Arbeitsweisen an den Desktop, statt umgekehrt. Ich finde diesen Ansatz verkehrt, das System sollte sich dem Benutzer anpassen. Der persönliche Optionenwald (KDE) kommt dem näher als das persönlich fehlende Feature (GNOME), aber es gibt ja auch noch andere, kleinere Window-Manager (nicht zu vergessen, dass KDE und GNOME sowie XFCE Desktop-Manager sind!). Dieser Artikel soll dabei helfen, die für sich beste grafische Umgebung zu finden.

Der Artikel richtet sich hauptsächlich an erfahrenere Benutzer, die bereits wissen, was sie von ihrem System ungefähr erwarten, aber auch Neulinge sind willkommen.

Analyse des eigenen Arbeitsstils

Komplett ins kalte Wasser springen bringt selten was, es sei denn, man gerät dabei zufällig an etwas, das einem zufällig besser zusagt als die alte Umgebung.

Der erste Schritt besteht darin, alle Aufgaben, die man am Rechner so erledigt, aufzulisten. Beispiele:

  • Rechner herunterfahren / in Standby versetzen
  • Dateien suchen und mit Standardprogramm starten
  • Bilder von einer Kamera oder Mobiltelefon kopieren, ggf. bearbeiten
  • Programme starten (simpler Task, aber von Bedeutung!)

etc.

Dann sollte man diese Aufgaben beschreiben, Schritt für Schritt. Bei Windows 7 sieht das beispielsweise so aus (Herunterfahren):

  1. Windows-Fahne anklicken (oder auf Tastatur drücken)
  2. kleinen Pfeil neben dem Ausschaltesymbol drücken (konfigurationsabhängig)
  3. "Herunterfahren" auswählen

Man kann das Windows-Herunterfahren-Beispiel theoretisch auf zwei Schritte eindampfen, der beschriebene Weg ist der Standard. Solche Arbeitsschritte sollte man immer wieder mal protokollieren (wie ältere Menschen, die sich das lieber notieren als merken, wie sie ihre Dokumente wiederfinden).

Zuletzt stellt man noch fest, was einem selbst daran nicht gefällt und ob man das evt. schneller/einfacher machen könnte. Wiederkehrende Aufgaben sollten dabei, sofern nicht automatisierbar, schneller erreichbar sein. Oft gibt es auch mehrere Wege zum Ziel (zB ein selbst erstelltes Tastenkürzel, um ein Terminal zu starten, statt jedes Mal das Menü zu öffnen oder im grafischen Programmstarter den Namen einzugeben). Man sollte sich nicht auf einen Weg festfahren, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Eine zu starre Denkweise oder Fixierung ("Die Umgebung hulldops sieht ja sooo klasse aus, die 5-dimensionale Umgebung kann ja einfach nur super sein") steht einem beim klaren Denken im Weg. Man sollte alle Optionen offen halten und sich die beste heraussuchen (und durchaus mal kritisch reflektieren, ob zB. die Taskleiste das nonplusultra ist oder man ein völlig anderes Konzept wie eine grafische Liste von Anwendungen mit Miniaturansichten besser für einen wäre).

Das Ergebnis ist dann eine Liste von Tasks, die unter Umständen Kleinigkeiten beinhaltet, aber dennoch von Bedeutung sein kann und das persönliche Benutzungsprofil wiedergibt. Hat man die dann alle, kann man sich die anderen Umgebungen ansehen und vergleichen, ob man dort schneller ans Ziel kommt als aktuell, ob man dort neue Ansätze bekommt, die mit dem alten System nicht gingen und ob der Umstieg insgesamt lohnt.

Unter Windows 7 (ja, ich Ketzer. Peitscht mich aus..) habe ich mich beispielsweise daran gewöhnt, die wichtigen Programme alle in die Taskleiste zu stecken, weil es dort nunmal keinen allgemeinen "path" gibt, sodass man Programme über ihren Namen starten könnte. Außerdem verwende ich einen Dateimanager mit zwei Spalten und viel Anpassungsmöglichkeiten, unter anderem den Start von VLC mit dem markierten Ordner oder Datei als Parameter. Ich habe mich so an diese Vorgehensweise gewöhnt, dass mir die Benutzung von Windows an diesem Rechner leichter fällt als das Linux-System (Dual-Boot). An meinem Notebook (nichtmal halb so großes Display, Tastatur immer unter den Fingern) arbeite ich komplett anders und käme nie auf den Gedanken, so eine Arbeitsweise vorzuziehen. Nur mal so als kleiner Erfahrungsbericht.

Hinweis.png Hinweis: Um neue Features zu finden, lohnt oft das Lesen der Dokumentation und Fragen an Benutzer anderer WM zu stellen (denn was man nicht kennt, kann man nicht suchen). So erlaubt "awesome" beispielsweise das Verschieben von Fenstern mit Meta+Rechte Maustaste(+Ziehen). Wer nie KDE4 gesehen hat, der kennt die Plasmoids nicht und Windows-Benutzern ist das Verwalten mehrerer Desktops fremd. All diese Möglichkeiten eröffnen neue Wege, und seinen persönlichen Weg muss jeder selbst finden ;-)


Eigenschaften und Aufgaben eines Desktop-Environments (DE) und Window-Managers (WM)

Ein WM hat lediglich die Aufgabe, die geöffneten Fenster zu ordnen und ggf. ermöglichen, neue Programme zu starten. Man vergleiche das Programm progman von Windows 3.11, der hatte diese Funktionen bereits. Fensterdekorationen helfen dabei, mit der Maus auf die Ordnung Einfluss zu nehmen, wie Fenster schließen, minimieren oder maximieren (was nur die bekannteste Teilmenge von theoretisch möglichen Funktionen ist). Die Fenster werden dabei je nach WM überlappend (floating WM) oder nebeneinander (tiling WM) dargestellt, manche WM mischen diese Möglichkeiten auch.

Ein DE wiederum tut mehr als das, der WM ist nur ein Programm von vielen. Man versucht, ein konsistentes Set von Programmen anzubieten, darunter oft eine grafische Verwaltung für das System sowie Internetbrowser, Mailprogramm und Dateiverwaltung.

Dieser Unterschied sollte bei der Auswahl bedacht werden. Wer Teile eines DE's verwendet, benutzt dabei oft über Abhängigkeiten die Basis des DE mit (Konfigurationsdatenbanken, gemeinsame Bibliotheken etc), was unter Umständen Leistungseinbußen mit sich bringt, mit denen man nicht gerechnet hat (Beispiel: der Start von dolphin (KDE) startet die Konfigurationsengine von KDE).

Wer bisher einen DE verwendet hat und einen Wechsel zu einem reinen WM plant, sollte sich darauf einstellen, die unterliegenden Schichten wie Netzwerk, Sound, Einbindung von (Wechsel-)Datenträgern (Hardware) selbst in den jeweiligen Konfigurationen einzustellen.

Soviel zur technischen Seite.

Übertragen der eigenen Anforderungen

Du hast nun eine Liste von Aufgaben, die du erledigen können willst, eine Auswahl von DEs/WMs, die dir mal irgendwo empfohlen wurden oder die du gefunden hast und weißt auch, was dir an deinem aktuellen DE/WM nicht gefällt bzw. was besser sein könnte. Stelle die Liste deiner Aufgaben im Detail den WM/DM gegenüber und bewerte in -/o/+, ob das System in der jeweiligen Spalte diese Aufgabe schlechter, gleich oder besser löst. Das ist eine völlig subjektive Sache; wenn du der Meinung bist, dass der Dateiauswahldialog in KDE einfach scheiße ist und du gerade zufrieden den von GTK nutzt, dann haust du da eben ein - rein. Wenn du auf einen WM umsteigst, vergleichst du an dieser speziellen Stelle eben mit dem Tool, das du dort verwenden wirst/willst (da ein WM selbst keinen Dateiauswahldialog bereitstellt).

GNOME 2.x GNOME 3.x KDE3 KDE4 xfce e17 lxde *box ion wmaker awesome
Programm starten o o o o o o o o o o o
Dateien suchen o o o o o o o o o o o
Dateidialog o o o o o o o o o o o
Handyinhalt durchsuchen o o o o o o o o o o o
Im Web recherchieren o o o o o o o o o o o
Mehrere Shells nebeneinander o o o o o o o o o o o
Zwischen Programmen wechseln o o o o o o o o o o o
Sys-Stats anzeigen o o o o o o o o o o o
Multi-Monitor Support o o o o o o o o o o o
Netzwerkwechsel o o o o o o o o o o o
Dateimanager bzw. dessen Netzwerkintegration (Samba, SSH/SFTP) o o o o o o o o o o o
... o o o o o o o o o o o

Dieser Schritt ist wichtig, da du unter Umständen viele Features einer Desktopumgebung überhaupt nicht benötigst. Ich hab beispielsweise nach einer Weile in awesome die Titelleiste deaktiviert, da ich sämtliche Informationen davon in der Taskleiste darüber sehen und die Steuerung über die Tastatur erledigen kann. So fallen Kriterien weg, mit denen man eventuell anderen Leuten sein bevorzugtes DE bewirbt, es selbst jedoch nie verwendet. Fehlt in der Tabelle ein Kriterium, merkt man das im nächsten Schritt und kann nach Ergänzung nochmal bei der Tabellenauswertung beginnen.

Bist du nun fertig, startest du einfach mal einen Testlauf mit dem WM/DM mit den meisten (+) darin. Unter Umständen kann das auch die aktuelle Umgebung sein ;) Das Ergebnis muss übrigens nicht stimmen, da die oben erwähnten unbekannten Features noch eine Rolle spielen könnten und man eben nichts Unbekanntes bewerten kann.

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